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Di. 14.06.2022 17:00 Uhr
Galerie

Innere Ordnung

Gefundenes, Zufälliges bildet den Stoff für die Arbeiten von Jessica Buhlmann und Klaus Walter. Während Buhlmann ihre Objekte und Installationen baut, indem sie die Fundstücke behutsam verändert, neu kombiniert und zu künstlichen Tableaus umarrangiert, bleibt Walter beim Augenschein der Gegenstände, welche er ganz klassisch auf‘s Bild bringt. Doch beide Künstler scheinen dem geheimen Wesen der Dinge auf der Spur zu sein.

Bei Buhlmann entfalten sie ein Eigenleben, das ihren verborgenen Witz und ihre verschüttete Schönheit offenbart, etwa wenn eine Holzplatte, Armierungseisen und Schnüre ein fragiles Gebilde ergeben, welches nur durch die eigene Balance gehalten wird. Oder wenn lackierte, zufällig geschnittene Glasstücke sich zu halbtransparenten Ornamenten verbinden. Oder wenn ein seltsam verdrehtes und abgeknicktes Stahlrohr, so an die Wand montiert ist, dass es weit in den Raum greift und sein abgewinkeltes Ende an jene schlauchförmigen Luftballons erinnert, die im Wind winken. Mögen die Objekte verspielt wirken, so folgt das Spiel doch bestimmten Regeln. Und diese Regeln gibt das Material selbst vor, indem es seine ihm innewohnenden Möglichkeiten vor Augen führt. Hier sind die Dinge vom Zweck befreit und dürfen sich neu ordnen nach ihren eigenen Gesetzen.

Auch Walter spürt in seinen Bildern dem Eigensinn der Dinge nach. Ein gestanztes Pappteil wird zum reinen Ornament. Die Farbe an den Rändern ist das Ergebnis des Schablonierens auf der Leinwand selbst, so wird mit dem Objekt auch der Prozess der Übertragung zum Bild. Walter schenkt seine Aufmerksamkeit ganz der Erscheinung: den Oberflächen, den Strukturen, den Lichteffekten. Das Raster eines Lampengitters, die Kalligraphie eines Gartenschlauchs – Walter liest sie wie geheime Zeichen. Auch in den Zeichnungen sozialistischer Architektur, in denen er sich thematisch an der (eigenen) Geschichte abarbeitet, gilt sein Interesse vor allem den Strukturen der bausatzartigen Betonelemente, ihrer Reihung, Variation, Kombination und ihrer ästhetischen Effizienz.

Dem Zufälligen Notwendigkeit abringen. Beide Künstler – in ihren sehr unterschiedlichen Arbeiten – vertrauen darauf, dass jede Sache von sich selbst erzählen kann und dass ihr rätselhaftes Äußeres auch jenseits der Funktion einer inneren Ordnung folgt.

Klaus Walter 2022