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Café Philo – Moralischer Fortschritt #3
In der Rede vom Fortschritt schwingt in der Regel ein Versprechen auf eine Verbesserung im Ganzen mit. Isolierter technischer Fortschritt wäre hohl.
Braucht es dann aber nicht eine Idee vom moralischen Fortschritt? Gibt es diesen – oder gibt es nur moralischen Wandel? Und wenn es ihn gibt: Ist es ein bloßer Fortschritt in der Sprache, in der Sensibilität, im Bewusstsein – aber keiner im Handeln?
Über diese Fragen möchten wir mit euch ins Gespräch kommen.

… oder jedenfalls früher bestimmte. Überall mehren sich die Anzeichen, dass dieses Paradigma, diese Ordnung und Einordnung unseres Lebens zerfällt. Vielleicht hat es den Fortschritt nie gegeben, vielleicht war das Glück der einen immer mit dem Elend der anderen erkauft. Vielleicht schien es uns nur so, dass es voranginge und in Wahrheit war unser Leben und Treiben bloß ein Nullsummenspiel.
Aber selbst das, wenn es so war, hat sich geändert. Wie immer wir rechneten, wir haben die Rechnung ohne die Natur gemacht. Es sieht so aus, dass sich die schrankenlose Ausbeutung der natürlichen Ressourcen und die fortschreitende Vernichtung unserer Lebensgrundlagen nun gegen uns kehrt. An die Stelle des Fortschritts tritt der ökologische Kollaps und es spricht viel dafür, dass seine sozialen Folgen verheerend sein werden.
Wie ist die Idee des Fortschritts aufgekommen? Was haben Fortschritt und kapitalistische Wirtschaft miteinander zu tun? Inwiefern ist das Paradigma des Fortschritts auch ein Bestandteil unserer psychischen Ökonomie? Was geschieht mit uns, wenn dieser Bestandteil erodiert? Wie ist politisches Handeln denkbar, wenn es nicht von der Hoffnung auf prinzipielle Verbesserung unseres Lebens getragen wird. Und was bedeutet es für unser moralisches Handeln, wenn die Prinzipien, denen zu folgen wir annehmen, keinen historischen Wirklichkeitshalt mehr besitzen und ein Zustand, in dem sie Realität wären, sich nicht einmal mehr vorstellen lässt? Können uns die Religionen, die in der Summe wohl pessimismuserprobter sind als die aufgeklärte Neuzeit, an dieser Stelle weiterhelfen? Welche Auskunft erzeilen apokalyptische und postapokalyptische Erzählungen? Wie lässt sich das Abgleiten in einen politischen Zynismus verhindern, dem alles scheißegal ist, weil er an nichts mehr glaubt. Was könnte ‚Linkssein‘ in dieser Situation bedeuten?
Es werden solche Fragen sein, denen wir in diesem Semester nachgehen: Fragen, deren energische und illusionslose Diskussion uns wichtiger erscheint als ihre bündige Beantwortung.
Moderation: Jan Friedrich und Wolfram Ette
Der Eintritt ist frei
