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Mi. 12.10.2022 19:00 Uhr
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Kammermachen XVI: IM UMBRUCH I GO. STAY. DANCE. — Film

Der Film: IM UMBRUCH ist die filmische Begegnung mit drei Künstlerinnen aus drei Jahrgängen. Zwischen Alltag und Vision, Kunst und Kunstbetrieb, Eigensinn und
Gemeinschaft, verschwundenen Grenzen und beständigen Werten.

Eine Gesellschaft im Umbruch. So lautet die Diagnose unserer Zeit und es ist schnell dahin gesagt. Doch wie fühlt sich ein gesellschaftlicher Umbruch an? Wie können Künste darauf reagieren,  wie die Künstlerinnen und Künstler selbst mit ihren eigenen (Um-)Brüchen?

Für Regisseurin Barbara Lubich begann ihr Film IM UMBRUCH mit einer Forschungsarbeit zum subversiven Tanz in der DDR. Die gebürtige Italienerin ist 1998 in den Osten Deutschlands gezogen. Bei ihren Recherchen traf sie unter anderem die Tänzerin und Tanzpädagogin Hanne Wandtke, Malerin und Regisseurin Christine Schlegel sowie den Maler und Filmemacher Lutz Dammbeck. Alle drei gehörten schon in der DDR zu den anerkannten Koryphäen. In den Gesprächen kam immer wieder die Rede auf eine besondere Frau, die sie damals bewunderten und noch immer bewundern: Fine Kwiatkowski, Jahrgang 1956 – eine tanzende Ikone. Die Begegnung mit ihr wurde für Barbara Lubich zur Initialzündung für IM UMBRUCH.

Wissenschaftliche Interviews entwickelten sich zu filmischen Beobachtungen an Fines damaligem Lebensort in Mecklenburg-Vorpommern. Aus Fragen über die Vergangenheit wurden Fragen über das Jetzt.

Fine Kwiatkowski galt in den Achtzigern als extrem, experimentierfreudig, provokativ und unangepasst. Für Szene und Publikum diente sie zugleich als Projektionsfläche für politisches Aufbegehren. IM UMBRUCH zeigt, wie sie auch darüber spricht. Begleitet von bewegten und unbewegten Archivaufnahmen sowie aktuellen Improvisationen geht es Fine aber vor allem um das, was sie heute ausmacht. Wie hat sie einmal gesagt? „Ich war in den 80ern im Jetzt. Ich war in den 90ern im Jetzt. Ich bin Jetzt im Jetzt.“

Mit Daniela Lehmann, Jahrgang 1979, und Cindy Hammer, Jahrgang 1989, kamen zwei weitere Protagonistinnen in den Film. Beide sind ebenfalls Tänzerinnen und wurden in der DDR geboren. Daniela sollte Turmspringerin werden, nach einem einschneidenden Erlebnis wollte sie es nicht mehr. Sie liebt das Wasser noch immer, wurde aber im ureigenen Sinne frei schaffend, zum Freigeist in einem freien Körper, an verschiedenen Orten Deutschlands und auch in Ägypten, wo Daniela lebte und von Herzen immer wieder dorthin zurückkehrt. Ihr Mut zur Unvollkommenheit strahlt in ihren Tanzimprovisationen.

Cindy Hammer gehört zu den aufregenden Tänzerinnen ihrer Generation. Ihre Ausbildung erhielt sie an der Palucca Schule Dresden, lebte viele Jahre im Internat, während ihre Eltern einen Neuanfang jenseits der ehemaligen Grenze wagten. Auch das hat sie stark gemacht, aufrichtig offen für künstlerische Begegnungen und Kooperationen. Cindy vereint Ballett und Streetdance, transformiert gängige Mythen Hollywoods, tanzt im öffentlichen Raum und lässt tanzen, schafft Humorvolles wie Irritierendes. Die Welt steht ihr offen – und sie holt die Welt in ihre Stadt.