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So. 18.09.2022 19:00 Uhr
Kino

NASIM Kinotour 2022 Film & Diskussion

NASIM
Ein Dokumentarfilm
von Ole Jacobs und Arne Büttner
produziert von ROSENPICTURES Filmproduktion GbR, Arne Büttner und Ole Jacobs
KONZEPT DER KINOTOUR
Als Produktionsfirma des Films NASIM werden wir, die ROSENPICTURES Filmproduktion, eine
deutschlandweite Kinotour mit Screenings in Form von Sonderveranstaltungen durchführen. Das
Konzept sieht Screenings in mindestens 20 Städten vor, den Auftakt der Kinotour planen wir am 8. und
9. September, den Jahrestagen des Großbrandes in Moria. Der angedachte Zeitraum der Tour umfasst
ab Mitte September sechs bis acht Wochen.
Die Filmemacher Ole Jacobs und Arne Büttner sowie die Protagonistin Nasima Tajik werden die Tour
zu großen Teilen begleiten. Gemeinsam mit lokalen Initiativen möchten wir die Vorstellung des
Dokumentarfilms durch zusammen erarbeitete Veranstaltungen in einen politischen Rahmen setzen.
Neben einem persönlichen Publikumsgespräch mit den Filmemachern und der Protagonistin sind
begleitende Events wie z.B. Podiumsdiskussionen oder Lesungen denkbar. Durch die begleitenden
Veranstaltungen, möchten wir dem Publikum die Möglichkeit geben, die Hintergründe der im Film
angesprochenen Themen besser greifen zu können und nicht mit der Lähmung der einhergehenden
Komplexität der Thematik allein zu bleiben. Für Screenings, zu denen kein persönliches
Publikumsgespräch umsetzbar ist, sind Videobotschaften der Crew angedacht, die nach der
Vorstellung im Kino gezeigt werden. Veranstaltungen könnten beispielsweise auf die im Film
angeschnittenen Schlagworte Moria, Flucht, Grenzen, Afghanistan, Pressefreiheit, Frauenrechte oder
Menschenrechte, Europas Außengrenzen, europäische Geflüchtetenpolitik Bezug nehmen.
Wenn ihr eine passende Veranstaltung in Planung habt oder Ideen zu begleitenden Veranstaltungen,
freuen wir uns von euch zu hören. Außerdem freuen wir uns, wenn ihr uns in der Bewerbung der
Vorstellungen unterstützen oder uns weiterempfehlen könnt. Neben Screenings im Kinosaal sind wir
auch offen für Vorstellungen in Schulen, Universitäten und weiteren Bildungseinrichtungen, z.B. in
Zusammenarbeit mit politischen Bildungsinitiativen.
Im Folgenden findet sich Näheres zum Inhalt, sowie weitere Informationen zum Film, Stimmen der
Regie und die Kontaktdaten zur Kinotour. Die Tour sowie der Film werden von der
Rosa-Luxemburg-Stiftung und der Mitteldeutschen Medienförderung finanziert.
NASIM – Kinotour | Seite 1 von 8
Stand: 14. Juni 2022
LOGLINE
Gestrandet in Moria, dem größten Geflüchtletenlager der EU, kämpft Nasim gegen ihre eigenen Ängste
und die Widrigkeiten des Camps für ein selbstbestimmtes Leben. Der Brand in Moria im September
2020, der das gesamte Lager vernichtet, bewegt Nasim ihre Stimme zu erheben.
FAKTEN
Genre: Dokumentarfilm
Länge: 90 Minuten
Format: 1:1,85, DCP, Farbe
Sound: 5.1 Surround, Stereo
Herstellungsland: Deutschland
Fertigstellung: Oktober 2021 (Directors’ Cut) / August 2022
PREMIEREN
Weltpremiere: 64. Internationales Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm,
Deutscher Wettbewerb
International: Hot Docs Canadian International Documentary Festival,
The Changing Faces of Europe
WEITERE FESTIVALTEILNAHMEN
DOXA Documentary Film Festival Vancouver | Competition Feature Documentary 2022
Crossing Europe Filmfestival Linz | Competition Documentary 2022
Achtung Berlin Filmfestival | Competition Documentary 2022
PREISE
NASIM feierte seine erfolgreiche Weltpremiere im deutschen Wettbewerb des DOK Leipzig 2021 und
wurde dort mit dem DEFA Förderpreis und dem VER.DI Preis für Solidarität, Menschlichkeit und Fairness
ausgezeichnet.
NASIM – Kinotour | Seite 2 von 8
Stand: 14. Juni 2022
PRESSESTIMMEN
»In dem ruhigen, von der dröhnenden Leere des Wartestands erzählenden Porträt „Nasim“, das ihr Ole
Jacobs und Arne Büttner widmen, ringt sie mit um eine neue Zukunft und alltägliche Würde.«
(Tagesspiegel)
»Ein intimes Plädoyer für ein anderes, offeneres Europa.« (Leipziger Zeitung)
»Nasim ragt aus diesem Wettbewerb heraus.« (Leipziger Volkszeitung)
»Der Film lässt mit seiner behutsamen und emphatischen Erzählweise mit seiner Protagonistin
mitfühlen. Die Zuschauer*innen erleben den Mut, die Verzweiflung und Solidarität einer
emanzipierten Frau und fürsorglichen Mutter.« (Verdi Jury)
“[…] the co-directors have found a woman who is both brave and gentle, curious and shy, with a strong
sense of justice but still weighed down by a feeling of responsibility in accordance with patriarchal
customs. It is hard not to feel for this protagonist with her seemingly invincible spirit in the toughest of
circumstances.” (Cineuropa)
“Unter allen Filmen, die dieses Jahr in Leipzig zu sehen sein werden, ist »Nasim« […] derjenige, der
unbedingt hat gedreht werden müssen.” (nd)
INHALT
Nasim (38) stammt aus Afghanistan und kommt im Februar 2020 als Geflüchtete aus dem Iran über die
Türkei nach Griechenland. Moria, das größte Geflüchtetenlager der EU, wurde zwangsweise zum
Wohnort für Nasim. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Shamsullah, ihren beiden Söhnen und der
erweiterten Familie, versucht Nasim das harte Leben im Camp zu überstehen. Langsam beginnt sie
ihre arrangierte und emotionslose Ehe, in die sie im Alter von 13 Jahren gedrängt wurde, in Frage zu
stellen. Ihre Schwester versucht sie zu einem neuen, unabhängigen Leben zu motivieren, doch ihre
Unsicherheiten und Ängste stehen Nasim im Weg. Um in Europa bleiben zu dürfen, muss sie
gemeinsam mit ihrem Ehemann, dessen Vergangenheit sie kaum kennt, ihre Asyl-Anhörung bestehen.
In der Nacht vom 8. auf den 9. September 2020 zerstört ein Großbrand das komplette Lager und Nasim
und ihre Familie stehen vor dem Nichts. Es folgen Demonstration, Obdachlosigkeit und Polizeigewalt.
Doch Nasim kämpft weiter um ihre Zukunft.
NASIM – Kinotour | Seite 3 von 8
Stand: 14. Juni 2022
DIRECTOR’S STATEMENT
von Ole Jacobs und Arne Büttner
„I am so sorry refugees, this is not Europe“ hatte jemand an die Mauer des Camps Moria geschrieben.
Auch wenn wir es nicht wahrhaben wollen: Moria, mit all seinem Elend, den Menschenrechtsbrüchen,
den Hütten aus Holz und Plastik im Olivenhain, dem Asylgefängnis, den kranken Kindern – all das ist
Europa und ein direktes Ergebnis der verfehlten Migrationspolitik der Europäischen Union. Moria ist
Sinnbild für eine systematische Ausgrenzungs- und Abschreckungspolitik. Die Fragen nach
Verantwortlichkeiten für diese Zustände und die Teilhabe von Flüchtenden an europäischen
Gesellschaften können beim Anblick von Elendslagern wie Moria, nicht mehr ignoriert werden.
Unsere gemeinsame Reise auf Lesbos begann im März 2020 mit einem journalistischen Auftrag für die
Rosa-Luxemburg-Stiftung. Unser Ziel war es, auf die Missstände in diesem Teil Europas aufmerksam zu
machen. An einem unserer ersten Tage im Camp sprach uns Nasim an und fragte, ob wir Journalisten
seien. Sie wäre auch gerne Journalistin geworden, hätte ihr Leben einen anderen Lauf genommen. Wir
erfuhren, wie die Flucht nach Europa Nasim mit ihren Vorstellungen vom Leben konfrontierte und sie
ohne Vorwarnung in die Situation brachte, eigene Entscheidungen fällen zu müssen – und können.
Beeindruckt von ihrer starken Persönlichkeit und der damit verbundenen Suche nach ihrer neuen
Identität im Kontext einer Fluchtgeschichte, begannen wir gemeinsam mit ihr, an einem
Dokumentarfilm zu arbeiten.
In unseren bisherigen Arbeiten hatten wir uns bereits mehrfach mit den Themen Migration und Flucht
auseinandergesetzt. So half Ole als Aktivist während des „Sommer der Migration“ 2015, Geflüchteten
im Balkan Informationen über die Fluchtrouten und freien Internetzugang zu erhalten. Als
Bildgestalter für den Dokumentarfilm „Lo que queda en el camino“ begleitete Arne über viele Monate
eine alleinstehende Mutter, die sich mit ihren vier Kindern in der Migrantenkarawane von Guatemala
durch Mexiko zur US-Grenze durchschlug.
Auch Nasim übernimmt als Mutter eine schwierige und im Kontext von Flucht und Migration wenig
sichtbare Rolle: Wie andere Mütter trägt sie nicht nur ihre eigene Verantwortung, sondern die der
gesamten Familie auf ihren Schultern.
Unsere Beziehung zu ihr war anfänglich geprägt von gegenseitiger Neugier und Schüchternheit. Doch
genauso, wie wir Nasim vertrauten, dass sie uns Neuigkeiten aus dem Camp mitteilen und uns den
Zugang zur afghanischen Nachbarschaft herstellen würde, verließ sie sich auf uns als ihre Freunde auf
Lesbos. So gut es ging standen wir ihr zur Seite. Sie wiederum half uns Farsi zu lernen, damit wir uns
besser im Camp verständigen konnten. Zeitweise belastete ihre Zerissenheit über die eigene Zukunft
und ihr Familienleben unsere Beziehung erheblich.
Jedoch ist unsere Freundschaft durch viele Extremsituationen, wie zum Beispiel die Zeit der
Obdachlosigkeit nach dem Brand, gewachsen. Wir ertrugen gemeinsam Hunger, Durst, Erschöpfung
und Schlafmangel, Kälte und Krankheit, Streit und Versöhnung.
So verging ein scheinbar unendlich langer Sommer, der uns die Möglichkeit einer Annäherung gab.
Drei Menschen, die aus ganz unterschiedlichen Teilen der Erde kommen und gänzlich verschiedene
Leben führen, waren neugierig, scheinbare Trennlinien zu überwinden und entwickelten eine tiefe
Freundschaft. So gelang es uns, behutsam, langsam und sehr nah drehen zu können: Acht Monate
begleiteten wir sie und ihre Familie, hielten intime Momente in dieser Zeit des Umbruchs fest.
NASIM – Kinotour | Seite 4 von 8
Stand: 14. Juni 2022
Unser Film spricht auch aus einer Widerstandshaltung gegen das westliche Klischeebild von
muslimischen Frauen. Sie sind nicht die stummen Opfer, zu denen sie oft reduziert werden. Nasim ist
eine Frau voller Kraft, Enthusiasmus und Humor, die für ihre Rechte, ihre eigene Zukunft und die ihrer
Kinder kämpft. Menschen, die in Lagern wie Moria eingesperrt sind, haben Namen, Wünsche und
Bedürfnisse. Nasim ist eine von ihnen.
HINTERGRUND
Seit dem ersten Migrations-Deal mit der Türkei im Jahr 2016 verfolgt die Europäische Union auf den
griechischen Inseln an ihrer Außengrenze die sogenannte “Hot Spot Politik” – Das heißt, alle
Geflüchteten werden auf grenznahen Inseln in Camps interniert und dürfen diese nicht verlassen, bis
über ihren Asylantrag entschieden wurde. Zur Abschreckung konzipierte Lager wie Moria, die eine
schnellstmögliche Abschiebungen zurück in die Türkei ermöglichen sollten, überschritten die
vorgesehenen Kapazitäten schnell. Es bildeten sich slum-artige Mini-Städte aus improvisierten Holzund
Plastikhütten. Geduldet durch die griechischen und europäischen Behörden, sollten die Bilder
und Nachrichten dieser Camps, Menschen auf der ganzen Welt davon abschrecken, den Weg nach
Europa zu wagen.
In Moria lebten zeitweise über 20.000 Menschen unter unwürdigsten Bedingungen und warteten
monatelang, teils Jahre, auf ihre Anhörungen vor der Asylbehörde. Besonders für Frauen ist die
Situation in den Camps unerträglich: Mangelnde Hygiene, Schlafmangel und die ständige Sorge vor
Gewalt machen ein normales Leben unmöglich. Bildungsmöglichkeiten für die Kinder und
Jugendlichen gibt es in den Hot-Spot-Lagern nicht.
Nasims Herkunft aus Afghanistan und ihre Vergangenheit als Geflüchtete im Iran machen die Lage
noch komplizierter. Insbesondere während der Zeit der ersten Talibanherrschaft von 1994 bis 2001
flohen Millionen Afghan*innen in das Nachbarland, wo sie aber kaum willkommen sind, sondern
hauptsächlich als billige Arbeitskräfte ausgebeutet werden. Wie alle afghanischen Geflüchteten hatte
Nasim im Iran keine Aufenthaltspapiere, keinen Status, keine soziale Absicherung und war damit
vollständig auf das Sicherheitsnetz ihrer Familie angewiesen. Trotzdem versucht sie, allen
Widrigkeiten des Lebens mit Würde und erhobenen Hauptes zu begegnen und ihren Kindern eine
bessere Zukunft zu ermöglichen.
Die Dreharbeiten wurden nach dem Brand in Moria, durch die Errichtung des neuen Camps “Kara
Tepe” von der griechischen Armee und der UNHCR, jäh unterbrochen. Dieses neue Camp befindet sich
direkt an der Küste auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz und Schießgelände des griechischen
Militärs. Der Zugang für Pressevertreter*innen wird weitestgehend unterbunden, um weitere
unangenehme Bilder von den nach wie vor katastrophalen Zuständen zu verhindern. Sowohl die
Migration nach Lesbos selbst als auch die Berichterstattung darüber werden mittlerweile zusehends
kriminalisiert. Journalist*innen werden hohe Geldstrafen und teilweise Einreiseverbote für
Griechenland angedroht; geflüchtete Menschen werden für ihre Flucht zu oftmals drakonisch langen
Haftstrafen in Griechenland verurteilt.
NASIM – Kinotour | Seite 5 von 8
Stand: 14. Juni 2022
CREW
Ole Jacobs Regie, Originalton
Arne Büttner Regie, Bildgestaltung
Federico Neri Montage
Steffen Martin Sound Design und Sound-Mischung
Abdul Twebti Farbkorrektur
Kimberly Niedernhöfer Grafikdesign
Ayla Güney Produzentin
Ray Peter Maletzki Produzent
Stephan Helmut Beier Produzent
AUTORENBIOGRAFIE + FILMOGRAFIE
ARNE BÜTTNER
geboren am 18. August 1992
BIO
• freiberufliche Arbeit als Kameramann seit 2017
• Bachelor ‘Cinematography’, Filmuniversität Konrad Wolf Potsdam Babelsberg, 2017
• 2015 / 2016 Gaststudium an der Kunstakademie Havanna (Instituto Superior de las Artes)
• studentischer Austausch nach Teheran (Film-Fakultät der Sooreh University)
FILMOGRAFIE
Primer Paquete Para Honduras (2022, 24 min, DE)
– Visions du Reel 2022
Lo Que Queda en el Camino (2021, 93 min, DE/BR/MX)
– GIFF (Guanajuato) 2021, DOK Leipzig 2021 und andere
– Deutscher Kamerapreis 2022
La Espera (2020, 14 min, DE/BR/MX)
– IFFR Rotterdamm 2020
OLE JACOBS
geboren am 22. Februar 1990
BIO
• freiberufliche Tätigkeit als Regisseur, Kameramann und Kameraassistent seit 2017
• Studium ‘Dokumentarfilmregie’ an der filmArche in Berlin, Abschluss 2021
• Europäische Ethnologie und Geschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin, 2011 – 2015
NASIM – Kinotour | Seite 6 von 8
Stand: 14. Juni 2022
FILMOGRAFIE
Hamburger Gitter (2017, 90 Min)
Minsk Punks (2017, 10 Min)
PRODUKTION
Eine Produktion der ROSENPICTURES Filmproduktion GbR in Koproduktion mit Ole Jacobs und Arne
Büttner, gefördert mit Mitteln der der Rosa-Luxemburg-Stiftung Griechenland, mit Mitteln des
Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) der Bundesrepublik
Deutschland und einer Abspiel-/Präsentationsförderung der Mitteldeutschen Medienförderung.
ROSENPICTURES
Rosenpictures wurde 2007 von Stephan Helmut Beier und Ray Peter Maletzki als Filmkollektiv in
Halle/Saale gegründet und 2015 als Rosenpictures Filmproduktion GbR firmiert.
Als ROSENPICTURES produzieren sie maßgeblich Stoffe junger Künstler- und Filmemacher*innen aus
der Region Mitteldeutschland und unterstützen diese in ihren Bestrebungen, eine eigene Handschrift
zu finden und auf dem Filmmarkt Fuß zu fassen. So haben ROSENPICTURES eine stetig wachsende
Anzahl an Filmen in ihrem Portfolio, die sich erfolgreich einem Publikum zuwenden, welches sich dem
Politischen und Sozialen, aber auch dem ästhetisch und formalen Experiment des zeitgenössischen
Kinos verschrieben hat.
Zahlreiche Nominierungen für international renommierte Festivals und mehrfache Auszeichnungen,
wie beispielsweise die Goldene Lola für den besten deutschen Kurzdokumentarfilm (Kaltes Tal, 2016)
und der Goldene Bär in der Sektion Shorts der Berlinale (Umbra, 2019), sind ihnen Ansporn, auch
zukünftig ihr Publikum zu begeistern.
NASIM